Allgemein

Zuhören – eine Definition

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Der Duden umschreibt das Zuhören mit folgenden Begriffen:

  • Aufmerksamkeit zuwenden
  • mit Aufmerksamkeit hören
  • etwas hörend in sich aufnehmen
  • etwas oder jemandem hinhörend folgen
  • ganz Ohr sein

Dass Zuhören eine bedeutungsvolle Hinwendung zum Gesprächspartner sein kann, verraten schon Redewendungen wie jemandem „sein Ohr leihen“ oder jemandem „Gehör schenken“.

Die Auswirkungen des Zuhörens auf unseren Körper

Der Themenkomplex rund ums Zuhören hat allerdings nicht nur eine zwischenmenschliche, sondern auch eine wissenschaftliche Seite: So hat Giselher Guttmann, Neurologe an der Universität Wien, beobachtet, dass Gehirnströme – beziehungsweise kleinste Schwankungen von bis zu 30 Millionstel Volt – bereits unsere Leistungsfähigkeit beeinflussen. Töne, Klänge und Geräusche senden ihr elektrisches Potential teilweise bis ins Kleinhirn, das unsere Körperbewegungen sowie den Gleichgewichtssinn kontrolliert. Von dort aus wandern sie sogar bis in das limbische System, das wiederum Emotionen und die Ausschüttung von Hormonen sowie anderer biochemischer Stoffe steuert. Zuhören kann also nachweislich unseren gesamten Körper beeinflussen – und das zunächst relativ unabhängig vom Inhalt.

Hören ≠ Zuhören

Häufig wird behauptet, das Zuhören sei quasi angeboren sei, weil das Ohr das erste fertig ausgebildete Sinnesorgan ist. Das mag sein, aber hören ist noch nicht zuhören, genauso wenig wie sehen gleich lesen ist.

Denken Sie an verschiedene Situationen, in denen Sie zuhören wollen oder sollen: Ein Experte erklärt Ihnen, wie ein Gerät funktioniert; eine gute Freundin erzählt Ihnen von Ihren Problemen; Sie lauschen Ihrem Vater, der wieder einmal seine Lebensweisheit zum Besten gibt. Stellen Sie sich diese Szenen möglichst lebhaft vor und überlegen Sie, was Sie dabei jeweils tun und wie sich diese Bilder voneinander unterscheiden. Was müssen Sie tun und was von sich einbringen, um in diesen Situationen effektiv zuzuhören?

Wenn Sie einmal auf unterschiedliche Zuhörgelegenheiten achten, werden Sie schnell merken, dass Zuhören sehr verschieden ausfallen kann und Sie vor sehr vielfältige Anforderungen stellt.

Allgemeines zum Thema Zuhören (Block 1)

Lesen Sie nun ein paar spannende Fakten zum Thema Zuhören, von welchen Ihnen viele nicht bewusst sein werden. Die folgenden Informationen sollen Ihnen die Welt des Zuhörens näher bringen.  

-) Zuhören ist die erste kommunikative Fähigkeit, die wir im Verlauf unserer Entwicklung erwerben und gleichzeitig die Voraussetzung dafür, dass wir Lesen, Sprechen und Schreiben lernen können.

-) Der Anteil des Zuhörens an einer Kommunikation beträgt 40 bis 70 Prozent (je nach Beruf und Persönlichkeit).

-) Eine Studie von „Proudfoot“ (Sept. 2004) über 1.700 Einzeluntersuchungen von Managern (weltweit) hat ergeben, dass Managementfehler für einen Schaden von 158 Mrd. Euro pro Jahr oder acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes verantwortlich sind.

Die wichtigsten Gründe für die Verfehlungen: unrealistische Zielsetzungen, Ignoranz bei auftretenden Problemen sowie Abteilungen, die völlig aneinander vorbeiarbeiten.

Die Erkenntnis: Das Management hört dem Markt nicht zu, Mitarbeiter und Kollegen hören einander nicht zu.

-) Laut einer Umfrage der Zeitschrift „Capital“ (Jänner 2004) haben sich 70 Prozent aller Deutschen schon einmal bei dem Anruf einer Hotline geärgert. 100 Unternehmen wurden untersucht, nur 16 davon boten einen guten Kundenservice. Bei Anfragen wurde bei weniger als 50 Prozent auf spezielle Bedürfnisse und Probleme des Ratsuchenden eingegangen.

Die Erkenntnis: Servicemitarbeiter hören den Kunden nicht zu.

-) Der Schriftsteller Ernest Hemingway sagte einmal, dass die meisten Menschen nie zuhören würden. Dabei halten sich Umfragen zufolge 96 Prozent der Erwachsenen für gute Zuhörer. Allerdings zeigen Studien, dass wir uns nur ein Viertel von dem, was wir hören, auch merken können – häufig das Falsche! Unglücklicherweise haben die Gesprächspartner oft den Eindruck, dass noch weniger des Gesagten beim Gegenüber ankommt.

-) Selbstsichere Menschen haben die Fähigkeit, besser zuzuhören, als weniger selbstsichere Menschen. Personen mit weniger Vertrauen in sich selbst tendieren dafür aber dazu, besser die emotionale Bedeutung des Gesagten herauszuhören. Dies hat eine Untersuchung der Universität Florida im Jahr 1989 ergeben (Clark, 1989).

-) Sowohl Manager als auch Akademiker werten Zuhören als eine der wichtigsten Eigenschaften von Arbeitnehmern, allerdings handeln nur 1,5 Prozent der Artikel in Business Magazinen von diesem Thema (Smeltzer, 1993).

-) Kurz und knapp – Interessantes zum Merken und Weitererzählen:

Ein Erwachsener schafft es, pro Minute rund 125 Worte zu sprechen. In derselben Zeit kann er aber 400 Worten zuhören (Carver, Johnson, & Friedman, 1970).

  1. Lesen bildet, keine Frage. Was den meisten Menschen aber nicht bewusst ist: 85 Prozent dessen, was wir wissen, haben wir durch Zuhören gelernt.
  2. Männer können besser zuhören als Frauen. Das fanden Tübinger Wissenschaftler um Professor Hans-Otto Karnath heraus. Sie sind auch bei starker Beschallung noch in der Lage, die eigentliche Geräuschquelle genau zu lokalisieren und sich darauf zu konzentrieren. Den Hörunterschied erklären die Forscher mit der Evolution: Männer seien diejenigen gewesen, die jagen, um Nahrung zu besorgen. Dabei kam räumlichen Aufmerksamkeitsleistungen eine extrem wichtige Bedeutung zu – sowohl visuell, als auch akustisch. Beutetiere beispielsweise konnten durch Geräusche lokalisiert werden, lange, bevor sie zu sehen waren.
  3. Mit dem rechten Ohr hören wir besser – auf das, worum uns ein anderer ersucht. Möchten Sie Ihr Gegenüber also um etwas bitten – etwa um einen Rat, einen Drink oder um die Telefonnummer –, sprechen Sie der Person unbedingt ins rechte Ohr. Es verbessert Ihre Chancen enorm, sagen Luca Tommasi und Daniele Marzoli von der Universität in Chieti.
  4. Wir hören lieber auf gute Nachrichten – und blenden die schlechten aus. Wissenschaftler um Christina Moutsiana vom University College London fanden heraus, dass besonders Jugendliche negative Informationen oft überhören.
  5. Nur 16,5 Prozent der Arbeitnehmer halten ihre Chefs für „sehr gute“ Zuhörer, jeder Dritte bescheinigt ihnen diesbezüglich nur mittelmäßige Kompetenzen.
  6. Kurz nach einem zehnminütigen Vortrag erinnern wir und allenfalls an die Hälfte dessen, was gesagt wurde. Weitere 48 Stunden später haben wir noch einmal 50 Prozent vergessen, sodass wir bestenfalls ein Viertel des gehörten Inhalts rekapitulieren können.
  7. Mit dem Alter steigt unsere Fähigkeit, zuhören zu können – nicht aber die Bereitschaft, das auch zu tun.
  8. Es gibt zahlreiche Coachs und Trainer sowie meterweise Ratgeberliteratur darüber, wie wir mitreißende Reden halten, überzeugender präsentieren, besser verkaufen. Aber es existieren so gut wie keine Seminare, Trainings oder Bücher über besseres Zuhören – bis jetzt zumindest. ☺

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