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Richtig Zuhören – der Erfolgsfaktor für Führungskräfte

Aufmerksames Zuhören stellte eine oftmals unterschätzte Fertigkeit dar. Dabei handelt es sich um einen garantierten Erfolgsfaktor, der Unternehmen dabei hilft, Kosten zu sparen und die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen zu erhöhen. Viele Studien belegen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer generellen Managementkompetenz und der Fähigkeit, richtig, aufmerksam und vor allem aktivierend zuzuhören. Besitzen Sie diese Fähigkeit, werden Sie Ihre eigenen Potenziale und die Ihrer MitarbeiterInnen intensiver und breiter entfalten. Wichtig zu wissen ist, dass jeder Mensch Zuhören schnell und einfach erlernen kann, wenn er dazu die Bereitschaft hat.

 

Finden Sie hier neun Ideen, wie Sie richtiges Zuhören in Ihren Arbeitsalltag integrieren.

 

Zuhören nach Ha-Te-Co

Das Modell Ha-Te-Co bietet ein einfaches und sofort anwendbares Modell für führungsorientiertes Zuhören. Ha-Te-Co steht für Haltung, Technik und Codierung. Dabei ist die Haltung als Basis zu verstehen, auf welche die Technik und Codierung aufsetzt. Nur wenn Sie eine innere Haltung Ihren MitarbeiterInnen gegenüber vertreten, die echtes Zuhören zulässt, werden Technik und Codierung passen – ähnlich einem Profifußballer, der auch nur dann seine Technik ideal entfalten kann, wenn er dem Gegner konditionell gewachsen ist. Die Haltung als Zuhörer ist also gleich der Kondition, die man auch trainieren und immer mehr verbessern kann.

 

Werfen wir den Blick auf folgende Ha-Te-Co Elemente:

 

  • Elemente der Haltung
    • Akzeptanz gegenüber den Aussagen Ihrer MitarbeiterInnen
    • Achtsamkeit im Gespräch
  • Technik
    • Vermeidung von direktiven Reaktionen
    • die Technik der Paraphrase
    • die emotionale Wiedergabe

Akzeptanz
Akzeptanz bedeutet bei Ha-Te-Co, die wertfreie und vorurteilsfreie Aufnahme des Gesagten. Um diese Aussage zu vertiefen: Schildert der/die MitarbeiterIn der Führungskraft ein Problem, wird in deren Kopf unmittelbar ein Handlungs- und Denkmuster aktiviert. Dieses besteht aus sofortiger Bewertung der Situation, Frage nach Schuld und Verantwortung, Lösungsanspruch im Sinne des Unternehmens, eventueller Sorge in punkto der eigenen Stellung im Unternehmen u.v.m. Sowie die Information bei der Führungskraft ankommt, wird die Be-/Wertung durchgeführt. Dadurch gibt es kaum Raum für eine Vertiefung des Gesprächs. Wenn die Führungskraft bereits mit Lösungen beschäftigt ist, Urteile fällt und Schuld zuschreibt, hat echte Akzeptanz keinen Platz. Natürlich ist es die Aufgabe der Führungskraft, Lösungen zu finden und Verantwortung zu übernehmen. Die Frage ist nur, wann sie mit der Lösungssuche beginnt.

Wie lange denken Sie eine Situation durch, ohne in die (Be-)Wertungsfalle zu tappen? Vorschnelle Beurteilungen von Situationen sind auch eine klassische Quelle von Fehlern. Wir betrachten eine Situation aus unserer eigenen Haltung und Erfahrung heraus, dies stellt aber eine einseitige Sicht der Dinge dar und unterstützt die Mitarbeiter nicht eigene Ideen zu entwickeln.

Wie können Sie Akzeptanz erlernen? Es ist einfacher, als Sie denken! Machen Sie es sich in Zukunft immer sofort bewusst, wenn Sie vorschnell urteilen und werten.

Idee 1:
Reflektieren Sie nach jedem Gespräch, wie lange Sie gebraucht haben, bis Sie werten und verlängern Sie diesen Zeitraum Schritt für Schritt.

Idee 2:
Wählen Sie ein Objekt in Ihrer Arbeitsumgebung, welches Sie daran erinnert, dass Sie die Information wertfrei aufnehmen. Laden Sie dieses Objekt mit Akzeptanz und Wertfreiheit auf. Platzieren Sie es an einer Stelle, die Sie immer im Blick haben, wenn Sie ein Gespräch mit einer/m MitarbeiterIn führen, damit es Sie an wertfreie Akzeptanz erinnert.

Achtsamkeit
Die Achtsamkeit wird bei Ha-Te-Co als die Fähigkeit bezeichnet, beim Zuhören im Hier und Jetzt zu sein. Dabei ist die Konzentration auf den Sprechenden selbstverständlich, so schwer das in Zeiten von digitalen Ablenkungen auch sein mag. Ein Meeting ohne Handy? Ein Gespräch ohne Tablet daneben, um Mails zu checken? Legen Sie diese Geräte weg, so weit weg wie möglich. Es ist mittlerweile gängige Unart, dass bei Meetings alle vor einem Laptop sitzen und tippen, während ein Redner gerade ein wichtiges Thema bespricht. Es ist daher kein Wunder, dass so viele Menschen Meetings als Zeitverschwendung erleben.

Alles weglegen, was das bewusste Zuhören stört, den Affengeist, der von Idee zu Idee hüpft, bändigen, den Körper und die Aufmerksamkeit dem Sprechenden zuwenden und frei von Wertung die Information aufnehmen – das ist Achtsamkeit und das hat Wirkung. Und wenn Sie immer noch glauben, dass Sie multitaskingfähig sind, dann vergessen Sie es gleich wieder. Unser Gehirn kann sich immer nur eine Sache widmen, dies zeigen neueste Studien der Hirnforschung.

Idee 3: Es klingt einfach, testen Sie, ob Sie es schaffen: Legen Sie alle Ablenkungen beiseite, richten Sie Ihren Fokus dem Sprecher zu, ohne Wenn und Aber.

Idee 4: Erwischen Sie sich beim „mindwandering“, bändigen Sie Ihren Affengeist. Dies verlangt Übung und Durchhaltevermögen. Es wird sich aber bezahlt machen. Sie werden mehr Informationen aufnehmen und mehr Zwischentöne heraushören. Zudem erfahren Sie im Gegenzug ebenfalls mehr Achtsamkeit bei Ihren Ausführungen.

Technik – direktive Reaktionen vermeiden (bestmöglich)

Mit direktiven Reaktionen sind alle Reaktionen von ZuhörerInnen gemeint, die vermeiden, dass der Dialog in die Tiefe geht, sich Beziehungen vertiefen, Emotionen erkannt und aufgefangen werden und der Erzähler ausreichend Raum für seine Ausführungen erhält. Und es gibt noch viele weitere negative Auswirkungen.

 

“Wirksame” Verhinderer im negativen Sinne sind:

 

Ungefragte und sofortige Ratschläge …

wenn Sie nicht danach gefragt werden. Ja, es klingt komisch, da Führungskräfte ihre Arbeit oft dadurch definieren, dass sie anderen Ratschläge geben und das ungefragt und ständig. Dies birgt aber gewisse Gefahren. Wenn Ihre Mitarbeiter lernen, dass Sie jedes Mal die einfachsten Probleme für Sie lösen, dann werden sich Ihre MitarbeiterInnen dahin entwickeln, dass sie auch bei jeder kleinen Herausforderung zu Ihnen kommen und Ihr Gehirn abschalten. Der Ratschlag, als direktive Reaktion, unterstützt diese Problemstellung. Werden Sie um Rat gefragt, unterscheiden Sie, ob es sich um ein echtes Problem handelt oder um Denkfaulheit bzw. mangelndes Wissen.

 

Idee 5:

Warten Sie einfach mit einem Ratschlag, bis Sie darum gebeten oder danach gefragt werden. Sie werden damit mehr erreichen, als sofort mit der Antwort zur Stelle zu sein.

 

Bagatellisierungen

Machen Sie das Problem Ihrer/s Mitarbeiters/in herunter und stellen es als eine Kleinigkeit dar, verliert die betreffende Person Selbstwirksamkeit. Vor allem junge Menschen neigen dann zu der falschen Erkenntnis, dass sie die „großen” Probleme nicht lösen werden, wenn sie schon bei den kleinen Herausforderungen versagen. Auch hier ist die wertfreie Aufnahme der Darstellung ratsam und die Erkenntnis, dass nicht alle den gleichen Zugang zu Problemen und deren Lösungen haben.

 

Idee 6:

Bringen Sie mehr Akzeptanz in Ihr Zuhören, dann fällt Bagatellisieren wesentlich schwerer.

 

Ich-Umkehr

Sprechen Sie sehr schnell über sich? Erläutern gerne Ihre Erfahrungen zu einem Thema? Führen aus, wie Sie etwas damals erfolgreich gelöst haben? Dies ist ein klassisch direktives Verhalten, da Sie bei jedem Thema auf Ihre eigenen Erfahrungen, Ideen und Kenntnisse umlenken und sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Mit diesem Verhalten geben Sie als Zuhörer die Richtung vor und stehen somit einer Lösung im Weg.

 

Idee 7:

Versetzen Sie sich in die Lage des Gesprächspartners. Wie erlebt diese Person das Problem und was braucht sie zu Lösung – nur diese Frage ist von Bedeutung.

 

Nicht direktive Reaktionen als ZuhörerIn

Welche Techniken können Sie einsetzen, um als ZuhörerIn mehr Wirkung in Dialogen mit Ihren MitarbeiterInnen zu erzielen? Die nicht direktiven Reaktionen sehen vor, dass Sie nicht den Inhalt bestimmen, da Sie nicht direktiv eingreifen und keine direkte Steuerung vornehmen. Sie steuern, indem Sie nicht steuern – paradox aber wirksam. Sie lenken ein Gespräch, indem Sie Raum geben, Ideen entstehen lassen und davon ausgehen, dass im Kopf Ihrer MitarbeiterInnen auch die passenden Lösungen auf Entdeckung warten.

 

 

Die Paraphrase – Wiederholung

Die Wiedergabe des eben Gehörten erzielt mehrere Effekte. Bei der Paraphrase wird der Inhalt des Gehörten vom Zuhörer kurz in eigenen Worten wiedergegeben. Bei der Paraphrase ist die Sachebene im Fokus. Dabei auch die emotionale Lage der anderen Person aufzunehmen und zu reflektieren, ist von Vorteil, jedoch nicht zwingend notwendig. Wenn Sie sehr sachorientiert führen, dann fällt es womöglich schwer, Emotionen zu benennen, daher ist die Paraphrase der schnelle und einfache Weg, Zuhören zu zeigen. Die Paraphrase ist sofort anwendbar, es braucht kein langes Training, es geht hierbei ausschließlich um Konzentration, Interesse und Fokus.

 

Idee 8:

Fangen Sie gleich damit an! Wenn Sie das nächste Gespräch führen, geben Sie ganz kurz den Inhalt des Gehörten wieder. Leiten Sie die Sätze ein mit „Sie meinen also, dass …” oder „Dir ist also in diesem Punkt wichtig, dass …” und nehmen dann eine kurze inhaltliche Wiedergabe vor. Sie werden merken, dass Sie bedeutend mehr Zustimmung erhalten, auf Fehler hingewiesen werden, weil Sie Inhalte anders verstanden haben und Sie damit zu einem beliebten Problemlöser im Unternehmen werden. Nicht weil Sie Ratschläge verteilen, sondern weil die Paraphrase dem Sprecher zur besseren Orientierung verhilft.

 

„Grunzen Sie einfach sozial“

Diesen Verstärker wenden Sie mit Sicherheit mehrfach täglich an. Die kurzen Botschaften an den Sprechenden, wie „Aha”, „Hm”, „Interessant” etc. sind wirksame und wichtige Zeichen des Zuhörens. Man nennt sie soziales Grunzen oder, noch furchtbarer, „Gesprächsverlängerer”.

 

Doch bitte passen Sie auf folgende Aspekte auf:

  • Der Rhythmus macht es aus – passen Sie Ihre „Grunzlaute” dem Sprechrhythmus der/s Erzählers/in an. Es zeigt sich eine Dissonanz, wenn Sie drei Mal „Mhm” sagen, wenn die andere Person den Satz noch nicht einmal beendet hat.
  • Variieren Sie die Aussagen – es gibt viele mögliche Bestätigungslaute. Immer der gleiche ermüdet und lässt in Routine verfallen.
  • Seien Sie kongruent – wenn Sie signalisieren, dass der/die Sprechende fortsetzen soll und Sie dabei keinen Blickkontakt halten oder ungeduldig mit dem Bein wippen, geben Sie Doppelbindungsbotschaften. Dies verwirrt und lenkt die/den Sprechenden ab.

 

Idee 9:

Geben Sie sie Laute stets am Ende des Satzes von sich und nicken dazu leicht. Wenden Sie den Körper der/dem Sprechenden zu und ruhen Sie in sich. Sie können alle vorher angeführten Haltungsaspekte ideal mit dem sozialen Grunzen kombinieren. Die Akzeptanz brauchen Sie, damit Sie Ihre Bewertungen nicht vom Inhalt ablenken und Ihren Körper in Anspannung versetzt, die Achtsamkeit lässt Sie im Hier und Jetzt sein und dadurch eine ruhige, aufmerksame Haltung einnehmen. Dann sind Ihre „Gesprächsverlängerer“ authentisch und wirksam, Ihr Gesprächspartner wird innere Ruhe finden und den notwendigen Raum und Platz für seine/ihre Ausführungen erhalten.

 

Diese neun Ideen unterstützen Sie dabei, Ihre Zuhörfertigkeit Schritt für Schritt zu steigern. Starten Sie diese Reise, Sie werden interessante Erfahrungen machen, und mit hoher Sicherheit wird richtiges Zuhören Ihre Arbeit als Führungskraft noch effektiver und positiver gestalten.

Viel Spaß dabei!

Ein Gedanke zu „Richtig Zuhören – der Erfolgsfaktor für Führungskräfte“

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