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Wie kann aufmerksames und richtiges Zuhören Ihr Charisma steigern?

(dieser Artikel ist auch auf LinkedIn veröffentlicht. Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, freue ich mich auf ein Like unter diesem Link: http://bit.ly/2mehgXs

Gehen wir zurück in das Jahr 1868. Wir befinden uns in London, dem Zentrum des größten und bedeutendsten Weltreichs seiner Zeit, dem Viktorianischen England.

Der Liberale William Gladstone und der Konservative Benjamin Disraeli waren erbitterte politische Konkurrenten und strebten beide das Amt des Premierministers an, und das bedeutete gleichsam, Herrscher über die halbe Welt zu werden. Eine Anekdote erzählt, dass eine junge Dame bei einer Veranstaltung jeweils neben Gladstone und Disraeli saß. Die Presse wollte natürlich im Anschluss von der jungen Dame wissen, wie das Dinner neben den politischen Mitbewerbern gewesen wäre. Sie antwortete: „Nachdem ich neben Mr. Gladstone gesessen bin, hatte ich den Eindruck, er sei der klügste Mensch in ganz England. Nachdem ich dann aber neben Mr. Disraeli gesessen bin, hatte ich das Gefühl, ich selbst sei der klügste Mensch in ganz England.“

Gute Zuhörer geben anderen das Gefühl, bedeutsam zu sein. Dabei war Disraeli alles andere als ein warmherziger und gütiger Mann. Er galt als sehr arrogant und musste lange um seine Reputation und Anerkennung kämpfen. Doch neben seinem Machtstreben und seiner Überheblichkeit handelte es sich bei Disraeli offensichtlich um einen großartigen Zuhörer, der über großes Charisma verfügte.

Die Wechselwirkung zwischen Charisma und richtigem bzw. gutem Zuhören ist sehr stark, wobei gute ZuhörerInnen nicht zwingend charismatisch sein müssen, vice versa charismatische Menschen nicht unbedingt als gute ZuhörerInnen gelten.

Charisma ist schwer fassbar und kaum greifbar, es gibt keinen Charisma-Knopf, den es einfach nur zu drücken gilt und plötzlich strahlen wir eine größere Wirkung aus. Allerdings kann man sich eine gewinnende Ausstrahlung auf jeden Fall aneignen und sich auch darauf „programmieren”. Am ehesten gelingt das, wenn man charismatische Menschen benennt und deren Verhaltensweisen bestmöglich kopiert.

Denkt man an sehr charismatische Menschen, tauchen unter vielen anderen garantiert der Dalai Lama, Bill Clinton, Barack Obama oder Steve Jobs vor dem inneren Auge auf. Diese Größen schaffen es, durch ihre Redekunst Menschen in ihren Bann zu ziehen. Doch es ist wenig bekannt, dass all diese genannten Personen auch großartige Zuhörer waren.

Ein wesentlicher Anteil an dem großen Charisma von dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton war durch seine Fähigkeit, empathisch zuzuhören, bedingt. Er kann sein Umfeld durch sein warmherziges Wesen sofort für sich gewinnen. Es wird berichtet, dass er sich vollständig auf seinen Gesprächspartner konzentriert und dabei dessen Emotionen und Stimmungen aufzunehmen und zu verstehen imstande ist. Sein berühmter Satz „I feel your pain” war die Antwort an den AIDS-Aktivisten Bob Rafsky während einer Veranstaltung in New York im Rahmen seines Wahlkampfes. Er hat dem Mann aufmerksam und vor allem mit dem Herzen zugehört, als dieser Clinton vorwarf, dass in den letzten Jahren unzählige Menschen an Aids gestorben sind und die Regierung nur passiv zugesehen hat. Clinton hörte zu und seine Antwort war gespickt mit  emotionalen Botschaften und ernst gemeinten Versprechungen. Clintons Charisma ist damit begründet, vollständig im Hier und Jetzt zu sein. Er lenkt seinen Fokus auf die emotionale Botschaft der GesprächspartnerInnen und schafft es, diese zu verbalisieren. Damit trifft er den Kern der Inhalte und das Gefühl hinter der Botschaft.

Die ILA (International Listening Association) hat Clinton 1993 zum Zuhörer des Jahres ernannt. Diese Ehrung teilt er mit Oprah Winfrey (2006), Marshall Rosenberg (2000), Michelle Obama (2012) und Barack Obama (2010).

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama gilt auch als aufmerksamer und vor allem fokussierter Zuhörer. Sein Intellekt soll regelrecht greifbar sein, und er widmet sich mit seiner gesamten Präsenz seinen Gesprächspartnern. Zwar weniger warmherzig als Clinton, dafür fokussierter und präsenter, ist die Zuhörhaltung von Obama. Er schaffte es, regelrecht in den Ausführungen seiner GesprächspartnerInnen einzutauchen.

Steve Jobs war ein Visionär und großartiger Unternehmer, doch als Zeitgenosse schwierig, und seine MitarbeiterInnen hatten es wahrlich nicht leicht, mit dem Genie Jobs zu arbeiten. Seine cholerischen Anteile hinderten ihn aber in keiner Weise, seinen GesprächspartnerInnen ein überaus fokussierter Zuhörer zu sein und die Worte der ErzählerInnen in sich aufzusaugen.

Auch der US-amerikanische Unternehmer Elon Musk, ebenso genial wie schwierig im Umgang, ist ein fantastischer Zuhörer. Er hat die Gabe, absolut konzentriert zu sein und die relevanten Fakten herauszuhören.

Diesen Charismatikern ist also die Fertigkeit guten und richtigen Zuhörens mehr als geläufig, sie gelten gar als Meister ihres Fachs.

Führungskräfte und Vetriebsprofis dürfen sich gerne an den genannten leuchtenden Beispielen orientieren. Der Erfolg von Clinton, Obama, Jobs und Musk ist auch durch ihre Fähigkeit, fokussiert und emotional zuzuhören, bedingt. Dies hat ihr bestehendes Charisma weiter verstärkt oder gar erst bedingt.

 

Welche Techniken können Sie nun anwenden, um Ihr Charisma durch reines Zuhören zu steigern? Wenn wir das Ha-Te-Co Modell auf die bisherigen Erkenntnisse in Bezug auf die gewinnende Ausstrahlung anwenden, dann ist es eine ausgewogene Mischung aus Haltung und Technik, die zu mehr Charisma führen.

Vier Impulse für mehr Charisma beim Zuhören durch Anwendung von Ha-Te-Co

Impuls 1: Versetzen Sie sich an die Stelle einer charismatischen Person

Charismatische Menschen ruhen vor allem in sich und strahlen durch ihre Körpersprache Gelassenheit und starke Präsenz aus. Um diese Körpersprache besser in den Griff zu bekommen, hilft Ihnen eine simple Visualisierung.

Stellen Sie sich einfach vor, dass Sie in einem Dialog mit einem Menschen sind, der sich durch äußere Einflüsse kaum ablenken lässt, mit Ihnen ständig Blickkontakt hält, Ihren Ausführungen durch seine Mimik inhaltlich und emotional folgt. Stellen Sie sich vor, dass diese Person ein einzigartig guter Zuhörer ist, so wie Sie sich immer eine(n) ZuhörerIn gewünscht haben.

Wie wirkt diese Person auf Sie? Wie fühlen Sie sich beim Gespräch mit ihr?

Sie werden sich in Gegenwart des betreffenden Menschen sehr wohl fühlen, großes Vertrauen entgegenbringen und sich öffnen.

Versetzen Sie sich nun in genau diese Person und tauchen Sie regelrecht in die Haltung ein. Sehen Sie sich in genau dieser ruhigen und entspannten Haltung, stellen Sie sich vor, dass Sie komplett fokussiert auf Ihr Gegenüber sind und es keine Einflüsse gibt, die Sie ablenken.

Üben Sie diese Visualisierung jeden Tag ein paar Mal für ein paar Minuten und Sie werden merken, dass Sie immer mehr die Haltung und Ruhe einnehmen, die Sie sich selbst wünschen.

Impuls 2: Befreien Sie sich bestmöglich von Wertungen

Zuhören erfordert Akzeptanz – eine akzeptierende Haltung kann nur funktionieren, wenn Sie

sich von Ihren Wertungen befreien. Was passiert, wenn wir (vor)schnell eine Situation bewerten? Sowie unsere Gedanken in eine Wertung abdriften, wird sich unsere Haltung verändern. Wir haben es dann sehr schwer, Informationen aufzunehmen und dabei den Fokus auf echtes und richtiges Zuhören zu legen.

Üben Sie Akzeptanz – nehmen Sie sich vor, bei den nächsten Gesprächen so lange wie es nur irgendwie geht auf Wertungen zu verzichten. Zögern Sie die Wertung regelrecht bis zum Äußersten hinaus.

Sie werden erleben, dass Sie wesentlich länger konzentriert sind und der Dialog auch länger und intensiver wird. Ihr Charisma als ZuhörerIn wird sich stärker entfalten.

Impuls 3: Bekommen Sie Ihren Affengeist in den Griff

Lernen Sie Präsenz! Präsenz bedeutet im Hier und Jetzt zu sein und äußere Einflüsse auszublenden. Ein schönes Bild dazu kommt aus der Meditationslehre. Das Ziel muss sein, unseren Affengeist in den Griff zu bekommen. Unser Geist schwingt nach diesem Gleichnis wie ein Affe von Baum zu Baum und ist nie ruhig. Der Affe greift nach einem Ast nach dem anderen. Genauso agiert unser Geist, wenn wir unsere Präsenz nicht in den Griff bekommen. Wir sind immer im Gedanken beim nächsten Task, der letzten Sitzung, der morgigen Präsentation … aber sind wir auch zu 100 % beim Gesprächspartner?

Wir brauchen den Fokus beim Gegenüber, dort ist er notwendig und nirgends sonst.

Wie üben Sie Fokus? Alles beginnt auch hier mit der Einstellung und Haltung gegenüber Ihrem Gesprächspartner und dem Thema. Ist es Ihnen wirklich wichtig? Wenn nicht, werden Sie schnell abgelenkt sein. Sie schielen dann schneller zum Handy und geben allen weiteren Ablenkungen wieder mehr Raum.

Der Trick ist ganz einfach – reden Sie sich einfach ein, dass diese Information, dieses Gespräch immens wichtig ist!

Wir sollten zuhören, um zu verstehen und nicht nur, um zu antworten! Wenn ich meinen Fokus aufs Verstehen lege, dann werde ich mich voll auf den Anderen fokussieren, wenn ich mich nur darauf konzentriere, zu antworten, dann werde ich mich nur auf mich fokussieren.

Impuls 4: Körpersprache und Signale

Wenn Sie aufmerksam zuhören, ist es für Ihr Charisma steigernd, wenn Sie diese beiden Techniken anwenden:

  • Nicken Sie nicht zu schnell und zu oft mit dem Kopf. Konzentrieren Sie sich darauf, durch Ihre Mimik den Inhalt wiederzugeben. Ihre Mimik sollte also die Inhalte und Emotion der ErzählerInnen zum Ausdruck bringen. Sieht ein Außenstehender nur Ihre Mimik, ohne eine Ahnung vom Kontext des Gesprächs zu haben, sollte dieser erkennen, wie die Emotionen hinter den Worten der ErzählerIn sind.

 

  • Halten Sie zwei Sekunden inne bevor Sie das Wort erheben. Dies zeigt, dass Sie bedacht sind und nachdenken, bevor Sie etwas sagen. Sofortige Antworten sind oft weniger durchdacht, für Ihr Charisma ist eine überlegte Antwort förderlich.

 

Sie sehen, es ist sehr leicht das eigene Charisma durch Zuhören noch weiter zu entfalten. Probieren Sie es aus und merken Sie, wie die positive Wirkung in Ihrem Umfeld für Sie spürbar werden wird.

 

 

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Richtig Zuhören – der Erfolgsfaktor für Führungskräfte

Aufmerksames Zuhören stellte eine oftmals unterschätzte Fertigkeit dar. Dabei handelt es sich um einen garantierten Erfolgsfaktor, der Unternehmen dabei hilft, Kosten zu sparen und die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen zu erhöhen. Viele Studien belegen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer generellen Managementkompetenz und der Fähigkeit, richtig, aufmerksam und vor allem aktivierend zuzuhören. Besitzen Sie diese Fähigkeit, werden Sie Ihre eigenen Potenziale und die Ihrer MitarbeiterInnen intensiver und breiter entfalten. Wichtig zu wissen ist, dass jeder Mensch Zuhören schnell und einfach erlernen kann, wenn er dazu die Bereitschaft hat.

 

Finden Sie hier neun Ideen, wie Sie richtiges Zuhören in Ihren Arbeitsalltag integrieren.

 

Zuhören nach Ha-Te-Co

Das Modell Ha-Te-Co bietet ein einfaches und sofort anwendbares Modell für führungsorientiertes Zuhören. Ha-Te-Co steht für Haltung, Technik und Codierung. Dabei ist die Haltung als Basis zu verstehen, auf welche die Technik und Codierung aufsetzt. Nur wenn Sie eine innere Haltung Ihren MitarbeiterInnen gegenüber vertreten, die echtes Zuhören zulässt, werden Technik und Codierung passen – ähnlich einem Profifußballer, der auch nur dann seine Technik ideal entfalten kann, wenn er dem Gegner konditionell gewachsen ist. Die Haltung als Zuhörer ist also gleich der Kondition, die man auch trainieren und immer mehr verbessern kann.

 

Werfen wir den Blick auf folgende Ha-Te-Co Elemente:

 

  • Elemente der Haltung
    • Akzeptanz gegenüber den Aussagen Ihrer MitarbeiterInnen
    • Achtsamkeit im Gespräch
  • Technik
    • Vermeidung von direktiven Reaktionen
    • die Technik der Paraphrase
    • die emotionale Wiedergabe

Akzeptanz
Akzeptanz bedeutet bei Ha-Te-Co, die wertfreie und vorurteilsfreie Aufnahme des Gesagten. Um diese Aussage zu vertiefen: Schildert der/die MitarbeiterIn der Führungskraft ein Problem, wird in deren Kopf unmittelbar ein Handlungs- und Denkmuster aktiviert. Dieses besteht aus sofortiger Bewertung der Situation, Frage nach Schuld und Verantwortung, Lösungsanspruch im Sinne des Unternehmens, eventueller Sorge in punkto der eigenen Stellung im Unternehmen u.v.m. Sowie die Information bei der Führungskraft ankommt, wird die Be-/Wertung durchgeführt. Dadurch gibt es kaum Raum für eine Vertiefung des Gesprächs. Wenn die Führungskraft bereits mit Lösungen beschäftigt ist, Urteile fällt und Schuld zuschreibt, hat echte Akzeptanz keinen Platz. Natürlich ist es die Aufgabe der Führungskraft, Lösungen zu finden und Verantwortung zu übernehmen. Die Frage ist nur, wann sie mit der Lösungssuche beginnt.

Wie lange denken Sie eine Situation durch, ohne in die (Be-)Wertungsfalle zu tappen? Vorschnelle Beurteilungen von Situationen sind auch eine klassische Quelle von Fehlern. Wir betrachten eine Situation aus unserer eigenen Haltung und Erfahrung heraus, dies stellt aber eine einseitige Sicht der Dinge dar und unterstützt die Mitarbeiter nicht eigene Ideen zu entwickeln.

Wie können Sie Akzeptanz erlernen? Es ist einfacher, als Sie denken! Machen Sie es sich in Zukunft immer sofort bewusst, wenn Sie vorschnell urteilen und werten.

Idee 1:
Reflektieren Sie nach jedem Gespräch, wie lange Sie gebraucht haben, bis Sie werten und verlängern Sie diesen Zeitraum Schritt für Schritt.

Idee 2:
Wählen Sie ein Objekt in Ihrer Arbeitsumgebung, welches Sie daran erinnert, dass Sie die Information wertfrei aufnehmen. Laden Sie dieses Objekt mit Akzeptanz und Wertfreiheit auf. Platzieren Sie es an einer Stelle, die Sie immer im Blick haben, wenn Sie ein Gespräch mit einer/m MitarbeiterIn führen, damit es Sie an wertfreie Akzeptanz erinnert.

Achtsamkeit
Die Achtsamkeit wird bei Ha-Te-Co als die Fähigkeit bezeichnet, beim Zuhören im Hier und Jetzt zu sein. Dabei ist die Konzentration auf den Sprechenden selbstverständlich, so schwer das in Zeiten von digitalen Ablenkungen auch sein mag. Ein Meeting ohne Handy? Ein Gespräch ohne Tablet daneben, um Mails zu checken? Legen Sie diese Geräte weg, so weit weg wie möglich. Es ist mittlerweile gängige Unart, dass bei Meetings alle vor einem Laptop sitzen und tippen, während ein Redner gerade ein wichtiges Thema bespricht. Es ist daher kein Wunder, dass so viele Menschen Meetings als Zeitverschwendung erleben.

Alles weglegen, was das bewusste Zuhören stört, den Affengeist, der von Idee zu Idee hüpft, bändigen, den Körper und die Aufmerksamkeit dem Sprechenden zuwenden und frei von Wertung die Information aufnehmen – das ist Achtsamkeit und das hat Wirkung. Und wenn Sie immer noch glauben, dass Sie multitaskingfähig sind, dann vergessen Sie es gleich wieder. Unser Gehirn kann sich immer nur eine Sache widmen, dies zeigen neueste Studien der Hirnforschung.

Idee 3: Es klingt einfach, testen Sie, ob Sie es schaffen: Legen Sie alle Ablenkungen beiseite, richten Sie Ihren Fokus dem Sprecher zu, ohne Wenn und Aber.

Idee 4: Erwischen Sie sich beim „mindwandering“, bändigen Sie Ihren Affengeist. Dies verlangt Übung und Durchhaltevermögen. Es wird sich aber bezahlt machen. Sie werden mehr Informationen aufnehmen und mehr Zwischentöne heraushören. Zudem erfahren Sie im Gegenzug ebenfalls mehr Achtsamkeit bei Ihren Ausführungen.

Technik – direktive Reaktionen vermeiden (bestmöglich)

Mit direktiven Reaktionen sind alle Reaktionen von ZuhörerInnen gemeint, die vermeiden, dass der Dialog in die Tiefe geht, sich Beziehungen vertiefen, Emotionen erkannt und aufgefangen werden und der Erzähler ausreichend Raum für seine Ausführungen erhält. Und es gibt noch viele weitere negative Auswirkungen.

 

“Wirksame” Verhinderer im negativen Sinne sind:

 

Ungefragte und sofortige Ratschläge …

wenn Sie nicht danach gefragt werden. Ja, es klingt komisch, da Führungskräfte ihre Arbeit oft dadurch definieren, dass sie anderen Ratschläge geben und das ungefragt und ständig. Dies birgt aber gewisse Gefahren. Wenn Ihre Mitarbeiter lernen, dass Sie jedes Mal die einfachsten Probleme für Sie lösen, dann werden sich Ihre MitarbeiterInnen dahin entwickeln, dass sie auch bei jeder kleinen Herausforderung zu Ihnen kommen und Ihr Gehirn abschalten. Der Ratschlag, als direktive Reaktion, unterstützt diese Problemstellung. Werden Sie um Rat gefragt, unterscheiden Sie, ob es sich um ein echtes Problem handelt oder um Denkfaulheit bzw. mangelndes Wissen.

 

Idee 5:

Warten Sie einfach mit einem Ratschlag, bis Sie darum gebeten oder danach gefragt werden. Sie werden damit mehr erreichen, als sofort mit der Antwort zur Stelle zu sein.

 

Bagatellisierungen

Machen Sie das Problem Ihrer/s Mitarbeiters/in herunter und stellen es als eine Kleinigkeit dar, verliert die betreffende Person Selbstwirksamkeit. Vor allem junge Menschen neigen dann zu der falschen Erkenntnis, dass sie die „großen” Probleme nicht lösen werden, wenn sie schon bei den kleinen Herausforderungen versagen. Auch hier ist die wertfreie Aufnahme der Darstellung ratsam und die Erkenntnis, dass nicht alle den gleichen Zugang zu Problemen und deren Lösungen haben.

 

Idee 6:

Bringen Sie mehr Akzeptanz in Ihr Zuhören, dann fällt Bagatellisieren wesentlich schwerer.

 

Ich-Umkehr

Sprechen Sie sehr schnell über sich? Erläutern gerne Ihre Erfahrungen zu einem Thema? Führen aus, wie Sie etwas damals erfolgreich gelöst haben? Dies ist ein klassisch direktives Verhalten, da Sie bei jedem Thema auf Ihre eigenen Erfahrungen, Ideen und Kenntnisse umlenken und sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Mit diesem Verhalten geben Sie als Zuhörer die Richtung vor und stehen somit einer Lösung im Weg.

 

Idee 7:

Versetzen Sie sich in die Lage des Gesprächspartners. Wie erlebt diese Person das Problem und was braucht sie zu Lösung – nur diese Frage ist von Bedeutung.

 

Nicht direktive Reaktionen als ZuhörerIn

Welche Techniken können Sie einsetzen, um als ZuhörerIn mehr Wirkung in Dialogen mit Ihren MitarbeiterInnen zu erzielen? Die nicht direktiven Reaktionen sehen vor, dass Sie nicht den Inhalt bestimmen, da Sie nicht direktiv eingreifen und keine direkte Steuerung vornehmen. Sie steuern, indem Sie nicht steuern – paradox aber wirksam. Sie lenken ein Gespräch, indem Sie Raum geben, Ideen entstehen lassen und davon ausgehen, dass im Kopf Ihrer MitarbeiterInnen auch die passenden Lösungen auf Entdeckung warten.

 

 

Die Paraphrase – Wiederholung

Die Wiedergabe des eben Gehörten erzielt mehrere Effekte. Bei der Paraphrase wird der Inhalt des Gehörten vom Zuhörer kurz in eigenen Worten wiedergegeben. Bei der Paraphrase ist die Sachebene im Fokus. Dabei auch die emotionale Lage der anderen Person aufzunehmen und zu reflektieren, ist von Vorteil, jedoch nicht zwingend notwendig. Wenn Sie sehr sachorientiert führen, dann fällt es womöglich schwer, Emotionen zu benennen, daher ist die Paraphrase der schnelle und einfache Weg, Zuhören zu zeigen. Die Paraphrase ist sofort anwendbar, es braucht kein langes Training, es geht hierbei ausschließlich um Konzentration, Interesse und Fokus.

 

Idee 8:

Fangen Sie gleich damit an! Wenn Sie das nächste Gespräch führen, geben Sie ganz kurz den Inhalt des Gehörten wieder. Leiten Sie die Sätze ein mit „Sie meinen also, dass …” oder „Dir ist also in diesem Punkt wichtig, dass …” und nehmen dann eine kurze inhaltliche Wiedergabe vor. Sie werden merken, dass Sie bedeutend mehr Zustimmung erhalten, auf Fehler hingewiesen werden, weil Sie Inhalte anders verstanden haben und Sie damit zu einem beliebten Problemlöser im Unternehmen werden. Nicht weil Sie Ratschläge verteilen, sondern weil die Paraphrase dem Sprecher zur besseren Orientierung verhilft.

 

„Grunzen Sie einfach sozial“

Diesen Verstärker wenden Sie mit Sicherheit mehrfach täglich an. Die kurzen Botschaften an den Sprechenden, wie „Aha”, „Hm”, „Interessant” etc. sind wirksame und wichtige Zeichen des Zuhörens. Man nennt sie soziales Grunzen oder, noch furchtbarer, „Gesprächsverlängerer”.

 

Doch bitte passen Sie auf folgende Aspekte auf:

  • Der Rhythmus macht es aus – passen Sie Ihre „Grunzlaute” dem Sprechrhythmus der/s Erzählers/in an. Es zeigt sich eine Dissonanz, wenn Sie drei Mal „Mhm” sagen, wenn die andere Person den Satz noch nicht einmal beendet hat.
  • Variieren Sie die Aussagen – es gibt viele mögliche Bestätigungslaute. Immer der gleiche ermüdet und lässt in Routine verfallen.
  • Seien Sie kongruent – wenn Sie signalisieren, dass der/die Sprechende fortsetzen soll und Sie dabei keinen Blickkontakt halten oder ungeduldig mit dem Bein wippen, geben Sie Doppelbindungsbotschaften. Dies verwirrt und lenkt die/den Sprechenden ab.

 

Idee 9:

Geben Sie sie Laute stets am Ende des Satzes von sich und nicken dazu leicht. Wenden Sie den Körper der/dem Sprechenden zu und ruhen Sie in sich. Sie können alle vorher angeführten Haltungsaspekte ideal mit dem sozialen Grunzen kombinieren. Die Akzeptanz brauchen Sie, damit Sie Ihre Bewertungen nicht vom Inhalt ablenken und Ihren Körper in Anspannung versetzt, die Achtsamkeit lässt Sie im Hier und Jetzt sein und dadurch eine ruhige, aufmerksame Haltung einnehmen. Dann sind Ihre „Gesprächsverlängerer“ authentisch und wirksam, Ihr Gesprächspartner wird innere Ruhe finden und den notwendigen Raum und Platz für seine/ihre Ausführungen erhalten.

 

Diese neun Ideen unterstützen Sie dabei, Ihre Zuhörfertigkeit Schritt für Schritt zu steigern. Starten Sie diese Reise, Sie werden interessante Erfahrungen machen, und mit hoher Sicherheit wird richtiges Zuhören Ihre Arbeit als Führungskraft noch effektiver und positiver gestalten.

Viel Spaß dabei!

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Führen Sie noch oder hören Sie schon zu?

Effektives Zuhören ist für Führungskräfte ein echter Erfolgsfaktor!

Dass effektives Zuhören für Führungskräfte einen echten Erfolgsfaktor darstellt, ist durch einige Studien hinlänglich bewiesen. Allerdings ist diese Tatsache noch nicht flächendeckend in den Chefbüros angekommen. Schade eigentlich!

Bei dem Artikel „Employees Don’t Quit Their Job; They Quit Their Boss!” handelt es sich um einen aufschlussreichen und informativen Text, der via LinkedIn publiziert wurde und mehr als 400.000 LeserInnen erreichte. Die Autorin Brigette Hyacinth schreibt darin, dass Führungskräfte oft mehr darauf bedacht sind, die eigene Position im Unternehmen zu stärken und Eigenpromotion zu betreiben, als sich um die Entwicklung und Förderung der MitarbeiterInnen zu kümmern.

Narzissmus bei Vorgesetzten wird als gesundes Selbstbewusstsein ausgelegt, ManagerInnen, die alles und jeden kontrollieren müssen, werden fälschlicherweise als Vorbild für richtiges Führungsverhalten angesehen. Dahinter verbirgt sich allerdings eine Einstellung, die zur Unzufriedenheit bei den MitarbeiterInnen führt – diese fühlen nicht wertgeschätzt und vor allem nicht gehört. Die (innere) Kündigung ist die Konsequenz: „Employees Don’t Quit Their Job; They Quit Their Boss!” Das bedeutet, Dienstnehmer kündigen weniger dem Boss, als vielmehr den Job. In der Folge hat also die innere Haltung vieler Führungskräfte negative Auswirkungen für das gesamte Unternehmen.

An der Art und Weise, wie eine Führungskraft zuhört, ist ihre Einstellung zu den MitarbeiterInnen abzulesen.

Wenn Sie nun Ihre ehemaligen Jobs im Geiste durchgehen – welcher Vorgesetzte blieb Ihnen am ehesten in Erinnerung? Vermutlich einer von jenen, dessen Führungsverhalten Sie im negativen Sinne nicht vergessen haben.

Wollen Sie etwa selbst so eine Führungskraft sein?

 

Entdecken Sie Bescheidenheit in Ihrem Handeln als ManagerIn?

 

In ihrem Artikel beschreibt Hyacinth Bescheidenheit und Demut als Schlüssel zu erfolgreichem Management und langfristiger Mitarbeiterbindung.

 

Neben den Faktoren

 

  • Menschen zuerst
  • Fehler zugeben
  • Informationen teilen und delegieren
  • Anerkennung aussprechen
  • Empathie und Authentizität

 

ist Zuhören einer der Schlüsselstärken, um MitarbeiterInnen an das Unternehmen zu binden.

 

Hyacinth beschreibt in ihrem Artikel, dass Menschen gerne bereit sind, langweilige Jobs mit langen Anfahrtswegen zu akzeptieren. Allerdings nur dann, wenn sie mit einer Führungskraft arbeiten, die Bescheidenheit und diese Haltung auch in Gesprächen, vor allem als ZuhörerIn, lebt.

Sehen Sie Bescheidenheit und die Fähigkeit, zuzuhören, als eine Ihrer Schlüsselkompetenzen? Denken Sie kurz darüber nach, am besten jetzt sofort, ob Sie Ihre

Gesprächspartner immer ausreden lassen und jederzeit wiedergeben könnten, was Ihnen von der jeweiligen Person erzählt wurde.

 

Eine andere Dame, Lisa Orick Martinez (Listening Practices of Leaders, 2002), beschreibt in ihrer Dissertation den Zusammenhang zwischen guter und kompetenter Führung und der Fähigkeit, gut zuzuhören. Die Untersuchung zeigt, dass Führungskompetenz mit den Faktoren Empathie und offene Haltung, frei von Defensivverhalten oder emotionalen Reaktionen, zusammenhängt. Die Fähigkeit, Dialoge mit Schlüsselkräften zu vertiefen und dabei die Beziehung zu stärken, ist ein wesentlicher Aspekt der MitarbeiterInnenbindung.

Gerade für den Aufbau positiver Beziehungen braucht es Führungskräfte, die aus einer Haltung heraus anderen Menschen gegenüber agieren, die von Akzeptanz, Wertschätzung und dem Streben von Horizontalität geprägt ist.

Der Teamleiterin einer meiner Kunden gelingt es mit dieser Einstellung, eine Personengruppe in einer sehr stark fluktuierenden Branche bereits sehr Jahren stabil zu halten. Sie schafft eine ideale Mischung aus Wertschätzung, Gesprächen, Bescheidenheit und aufmerksamem Zuhören. Ihre Teammitglieder bleiben zuerst bei ihr, dann beim Job.

 

Gutes Zuhören braucht selbstbewusste und ermutigte Teammitglieder

 

In einem Artikel im Magazin Success vom Juni 2018 schreibt Craig Impelman über die „Kunst des Führens von Coach John Wooden“, einem der erfolgreichsten Basketballtrainer im amerikanischen College-Basketball. Wooden wird darin mit dem Satz zitiert: „Meiner Meinung nach ist es für erfolgreiche Führungskräfte von Bedeutung, gute Zuhörer zu sein. Erfolg ist mehr verbunden mit der Frage ‚wie‘, statt mit ‚nein‘. Hören Sie den Menschen zu, die sich Ihnen anvertrauen. Wirklich zuhören! Agieren Sie aber nie, als würden Sie nur so tun, als hören sie zu, also in ein Ohr rein und in das andere raus. Zuhören zu spielen ist schlimmer, als es gar nicht zu tun!”

Doch John Wooden erkannte auch, dass zuhören alleine zu wenig ist, wenn man die Menschen in seinem Team nicht auch ermutigt, offen zu sprechen. Nur wenn die MitarbeiterInnen die Bereitschaft haben, frei zu sprechen, entfaltet das Zuhören effektiv Wirkung. Was hilft es, zuhören zu wollen, wenn sich niemand zu sprechen traut und die heißen Themen gar nicht an den Vorgesetzten herangetragen werden?

Dabei kann man sich ein Beispiel an Abraham Lincoln nehmen. Lincoln hat zu Beginn seiner Präsidentschaft ganz bewusst verschiedene Posten mit Oppositionellen besetzt, von denen er wusste, dass er unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen präsentiert bekommt. Ein Team, welches aus Ja-Sagern besteht, neigt zur Apathie. Lincoln hat sich also ganz bewusst auf Kritik und schwierige Diskussionen eingestellt, was guten Zuhörern wesentlich einfacher fällt, als ManagerIn, die vor Kritik fliehen.

 

Zuhören als Führungskraft nach dem Ha-Te-Co Prinzip.

 

Das Ha-Te-Co Modell ist eine einfaches und klar strukturiertes Abbild, das Führungskräfte als effektives Hilfsmittel einsetzen können, um die Wirkung des eigenen Zuhörens zu optimieren. Damit ist es ihnen möglich, die volle Bandbreite der Vorteile guten Zuhörens auszuschöpfen.

Ha-Te-Co steht als Akronym für Haltung – Technik und Codierung.

Diese drei Begriffe sind die tragenden Säulen guten und effektiven Zuhörens für Führungskräfte. Ha-Te-Co versteht Zuhören als eine erlernbare Fertigkeit als Basis unserer Haltung als ZuhörerIn. Dabei ist es von Bedeutung, dass wir auch unsere Einstellung jederzeit verändern können, wenn wir dazu die Bereitschaft und den Willen haben.

 

Haltung (Ha)

 

Unsere Haltung anderen Menschen gegenüber ist die Basis erfolgreichen Zuhörens. Dabei steuern unsere Gedanken über eine Situation und Person in großen Teilen das Ergebnis. Wollen wir der Person nicht zuhören, weil wir das Problem nicht als wichtig genug empfinden, die Person innerlich ablehnen oder uns selbst nicht kompetent genug für eine Lösung sehen, dann wird unsere innere Haltung durch unsere Art und Weise des Zuhörens zum Ausdruck kommen – egal wie gut wie unsere Aufmerksamkeit zur Schau stellen. Unser Desinteresse wird durch die Veränderung der Körpersprache, die Art und Weise, wie stark wir unsere Aufmerksamkeit fokussieren, oder durch die Fragen, die wir stellen, bemerkbar. Sie wollen Interesse und Aufmerksamkeit faken? Vergessen Sie es!

 

Selbsterkenntnis durch die Art und Weise wie wir zuhören

 

Auf die Art und Weise, welche innere Haltung wir einnehmen, lernen wir sehr viel über uns selbst. Wir erkennen, zu welchen Typ von Führungskraft wir tendieren. Sind wir die unmittelbaren Problemlöser, die sich sofort jedes Problems annehmen, oder tendieren wir eher dazu, das Problem zu bagatellisieren und als unwichtig zu erachten?

Wie schnell sind wir mit Bewertungen und Urteilen oder fragen uns, warum die MitarbeiterInnen dieses Problem nicht längstens alleine gelöst haben?

Wie lange dauert es, bis wir die Lösung bereits im Kopf formuliert haben, noch bevor der/die MitarbeiterIn die Situation überhaupt vollständig geschildert hat?

All diese Fragen und noch einige darüber hinaus können wir uns stellen, wenn wir in der Situation der ZuhörerIn sind. Aufmerksam und wirksam zuhören steht stark im Konflikt mit dem Bild, das wir von einer starken und entschlossenen Führungskraft haben. Schnelle Entscheidungen, rasche Ergebnisse, laut sein wird gleichgesetzt mit sicher und bestimmt sein! Achtsamkeit? Vergessen wir‘s, das gehört in den Yogakurs am Abend. Akzeptanz? Wir können nicht akzeptieren, wir müssen entscheiden! Raum für Selbstreflexion? Muss das sein? Gerade jetzt, es ist doch so viel zu tun.

Erkennen Sie sich in diesen Typen wieder?

 

Warum ist Zuhören so schwer?

 

Es gibt für diese Frage viele mögliche Antworten. Ich wage hier eine Annäherung.

Führungskräfte sind oft sehr extrovertierte Charaktere, die lieber reden als zuhören, außerdem Themen und Inhalte des Gesprächs bestimmen wollen. Andere wiederum denken, dass es als Chef dazu gehört, in starker und lauter Stimme die Richtung vorzugeben und somit den Dialog oder das Meeting zu beherrschen. Viele haben bereits als Kind gelernt, dass man stark ist, wenn man laut ist, und haben dabei die Vorteile guten Zuhörens nie erfahren. Zuhören wird als passiv sein missverstanden – der Chef redet und alle anderen hören zu. Wie viel an Effizienz durch diese Haltung jeden Tag in Unternehmen verloren geht, ist kaum messbar. Fakt ist, dass schlechtes Zuhören der Ursprung von Fehlern und somit hohen Kosten ist.

 

Ideen und Impulse

 

Nach dem Ha-Te-Co Modell ist die Haltung die Basis für erfolgreiches Zuhören. Dabei folgt die Körperhaltung unserer inneren Haltung und Einstellung.

Es sind drei tragende Säulen ausschlaggebend für eine positive Haltung.

 

  • A – die Akzeptanz
  • A – die Achtsamkeit
  • ++ – ich bin OK, du bist OK

 

Akzeptanz

 

Akzeptanz bedeutet bei Ha-Te-Co die wertfreie und vorurteilsfreie Aufnahme von Informationen. Um dies zu vertiefen: Schildert der/die MitarbeiterIn der Führungskraft ein Problem, wird in den Köpfen vieler Führungskräfte sofort und unmittelbar ein Handlungs- und Denkmuster aktiviert. Dieses besteht aus sofortiger Bewertung der Situation, Frage nach Schuld und Verantwortung, Lösungsanspruch im Sinne des Unternehmens, eventueller Sorge in punkto der eigenen Stellung im Unternehmen u.v.m. Sowie die Information bei der Führungskraft ankommt, wird die Be-/Wertung durchgeführt. Dadurch gibt es kaum Raum für eine Vertiefung des Gesprächs. Wenn die Führungskraft bereits mit Lösungen beschäftigt ist, Urteile fällt und Schuld zuschreibt, hat echte Akzeptanz keinen Platz. Natürlich ist es die Aufgabe der Führungskraft, Lösungen zu finden und Verantwortung zu übernehmen. Die Frage ist nur, wann wir mit der Lösungssuche beginnen. Wie lange denken wir die Situation durch, ohne in die (Be-)Wertungsfalle zu tappen? Denn Wertungen sind mit vertikalen Beziehungen verbunden – eine Wertung bedeutet nichts anderes, als das Urteil des einen über die Handlung des anderen. Urteile können wir nur aus einer Haltung des Überlegenen fällen. Was gut oder schlecht ist, das entscheidet der Urteilende. Vorschnelle Beurteilungen von Situationen sind auch eine klassische Quelle von Fehlern. Wir betrachten eine Situation aus unserer eigenen Haltung und Erfahrung heraus.

Der Mangel an Akzeptanz wird sich durch die Veränderung der Körperhaltung sofort darstellen. Das Urteil über die Situation zeigt sich überall im Körper.

 

Achtsamkeit

 

Die Achtsamkeit wird bei Ha-Te-Co als die Fähigkeit bezeichnet, beim Zuhören im Hier und Jetzt zu sein. Dabei ist die Konzentration auf den Sprechenden selbstverständlich. Damit ist aber auch gemeint, dass jegliche digitale Ablenkung beiseitegelegt wird. Können Sie sich das vorstellen? Ein Meeting ohne Handy? Ein Gespräch ohne Tablet? Genau das wäre dann Achtsamkeit im klassischen Sinne. Hier und Jetzt heißt mit allen Sinnen fokussiert auf die Person und den Inhalt. Mir kommt dabei ein Termin mit dem Vertriebsleiter eines großen Konzerns und zwei seiner Abteilungsleiter in den Sinn. Geplant war ein Feedback zu einer bestimmten Maßnahme und der Abteilungsleiter schaute während des gesamten Gesprächs auf sein Handy. Ich glaube nicht, dass ich nur einmal Blickkontakt hatte.

Leider wird so ein Verhalten oft als hohes Engagement verstanden, für mich war es ein Zeichen einer Haltung, die von Desinteresse und Überheblichkeit geprägt war.

 

Ich bin OK, du bist OK / ++

 

Ich bin OK, du bist OK – das ist die Definition der Grundposition als Basis der Transaktionsanalyse von Eric Berne. Sie beschreibt, wie wir uns selbst und andere erleben. Wir machen uns ein Bild von uns selbst und der Welt als Ganzes. Neben der Grundposition Ich bin OK, du bist OK (+/+) gibt es drei weitere Lebenssichtweisen. Ich bin OK, du bist nicht OK (+/-), Ich bin nicht OK, du bist OK (-/+) und Ich bin nicht OK, du bist nicht OK (-/-).

Nun nehmen wir je nach Situation unterschiedliche Grundpositionen ein, haben aber auch eine, die als eine Art Lieblingsposition zu verstehen ist. Gehen wir mit dem Gefühl, selbst OK zu sein und uns in uns stimmig und wertvoll zu fühlen, durch die Welt, dann haben wir eine „Ich bin OK Haltung” eingenommen. Sehen wir andere als ebenso wertvoll und OK, dann haben wir die Haltung Ich bin OK, du bist OK als Lebensposition gewählt. Erleben wir uns als OK, aber alle anderen als nicht OK, oder in unserer Position als Führungskraft sehen wir andere als nicht OK, dann wird uns diese Haltung zu einem eher schlechten Zuhörer machen. In dieser Haltung neigen wir dazu, die Probleme andere zu bagatellisieren, Ratschläge zu erteilen oder andere verhindernde Reaktionen zu zeigen. Halten wir uns selbst für nicht OK, den oder die anderen hingegen als OK, dann neigen wir als ZuhörerIn zu unmittelbarem Vergleichen mit dem eigenen Erleben, neigen zu Selbstabwertungen und beziehen Aussagen schnell auf das eigene Verhalten. Auf diese Weise können Defensivpositionen entstehen. Das Erleben der Ich bin nicht OK Position einer Führungskraft führt unter Umständen auch zu einem Offensivverhalten, da sich hinter dieser Haltung oft geringer Selbstwert versteckt, der durch Aggression und Angriffe kaschiert werden soll.

Nur die horizontale Ebene, Ich bin OK, du bist OK, die gleiche Augenhöhe und das positive Erleben von sich selbst und anderen kann die Basis für wertschätzendes und richtiges Zuhören sein. Eine Führungskraft aus der ++ Position neigt nicht zu Vorverurteilungen und schnellen Angriffen, da sie den/die GesprächspartnerIn als wert erlebt, gehört zu werden. Machen Sie es nicht wie der Vertriebsleiter eins Unternehmens, der bei einem Vertriebsmeeting ca. 80% des gesamten Jahresumsatzes auf ein Whiteboard schrieb, sich dann davorstellen und sagte: „Dieser Umsatz ist allein mir zu verdanken“. Dies ist die Definition von Ich bin OK, du / ihr seid nicht OK!

 

Zusammenfassung

 

Abschließend lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Haltung der Führungskraft einen entscheidenden Einfluss auf die Fähigkeit hat, zuzuhören. Gehen wir davon aus, dass gerade die zwischenmenschliche Komponente in der Konstellation Chef und MitarbeiterInnen einen hohen Impact auf die MitarbeiterInnenbindung hat, dann ist Zuhören eine der tragenden Säulen des positiven Miteinanders und einer horizontalen Arbeitsbeziehung.

Eigenschaften, die eine Haltung beeinflussen und gutes sowie aufmerksames Zuhören ermöglichen, sind:

 

  • Bescheidenheit in der Rolle als Führungskraft
  • Ich bin OK, du bist OK-Haltung
  • Akzeptanz im Sinne einer nicht wertenden und urteilenden Aufnahme
  • Achtsamkeit im Sinne der Präsenz im Hier und Jetzt
  • Ermutigung, andere sprechen zu lassen, die nicht der gleichen Meinung sind, um dann die Wirkung des Zuhörens nicht mehr zu entfalten
  • Aufbau horizontaler Arbeitsbeziehungen
  • Zuhören als Fertigkeit verstehen, welche erlernbar ist

 

Wie wir dem letzten Bullet Point entnehmen können: zuhören ist erlernbar und Haltungen sind modifizierbar. Es muss uns allen bewusst sein, dass wir sofort eine neue Sichtweise auf dieses Thema erlangen können, wenn wir uns in den Anforderungen erkennen.

Ich freue mich, wenn Sie bereit sind, damit zu starten, Sie werden schnell die positiven Effekte guten und aufmerksamen Zuhörens als Führungskraft erleben.

 

 

 

 

 

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Podcast Einfach Zuhören

Ich lade Sie herzlich zum neuen Podcast „Einfach Zuhören“ ein! Der Podcast behandelt Techniken des Zuhörens und es kommt immer wieder zu Gesprächen mit Menschen, die einen Beruf ausüben bei dem Zuhören einen Erfolgsfaktor darstellt.

Den Podcast gibt es auf Spotify  unter „Einfach Zuhören“ und bei itunes unter folgenden Link: https://itunes.apple.com/at/podcast/einfach-zuhoeren/id1457556764?l=en

Hören Sie einfach rein und zu 🙂

 

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Zuhören findet noch immer zu wenig Beachtung!

Viele Menschen vermissen gutes und aufrichtiges Zuhören in Ihrem Leben. Dies ist dahingehend umso interessanter, da sich fast 80% aller Menschen als guten Zuhörer/gute Zuhörerin sehen. Wenn dem aber so wäre, wäre dann die Anzahl an zwischenmenschlichen Konflikten, beziehungsbedingten Stresses und das Gefühl von Einsamkeit in sozialen Gefügen nicht wesentlich geringer? Es herrscht also eine wahre Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Wir wollen, dass uns zugehört wird, schaffen es aber selbst kaum ein wirklich aufmerksamer Zuhörer zu sein.

Dabei ist richtiges und gutes Zuhören ein wahres Wundermittel in Punkto Beziehungsbildung, besseren gegenseitigen Verständnis und die Vermeidung von Missinterpretationen.

Die gute Nachricht ist, dass Zuhören lernbar ist! Wir können lernen, wie wir aufmerksames Zuhören fördern, schlechtes Zuhören verhindern und somit tiefere Dialoge schaffen, die sich positiv auf Beziehung und eigene Lebenszufriedenheit auswirken.

Grundlegend für gutes Zuhören ist unsere Haltung!

Wie stehen wir zur Person, die uns etwas erzählen will und unser Ohr benötigt? Wie wichtig ist uns das Thema? Wir gerne wollen wir uns auf die andere Person einlassen oder uns doch lieber über eigene Themen unterhalten? Bin ich der Ansicht, dass mein Gegenüber sofort einen Ratschlag benötigt? All diese Fragen, drehen sich um unsere Haltung anderen gegenüber, die beim Zuhören eine ganz spezielle Ausprägung findet. Die Art und Weise wie wir Zuhören, gibt auch eine Aussage über unsere Grundhaltung anderen Menschen gegenüber.

Vielleicht können Sie folgenden Impuls für eine Reflexionsübung mitnehmen:

„Denken Sie über Ihr Zuhören nach.“ – Wenn Sie das nächste Mal in einer Situation sind, wo sie einer anderen Person zuhören, ganz egal wie ernst oder unterhaltsam der Dialog ist, beobachten Sie sich ganz aufmerksam. Beobachten Sie sich, wie Sie zuhören – fallen Sie schnell ins Wort? Reden Sie schnell über Themen, die Ihnen wichtig(er) sind? Haben Sie innere Fantasien, die Sie ablenken? Verniedlichen Sie das Problem oder bewerten Sie dieses umgehend? Geben Sie sofort Ratschläge und haben eine Lösung für das Problem?

All dies sind Fragen, die Sie sich auf einer Metaebene stellen können. Bekommen Sie ein Gefühl für Ihre Zuhörhaltung und fragen Sie sich dann im Anschluss, wie diese ausgeprägt ist.

Wenn Sie besser zuhören wollen, fängt es bei Ihrer Haltung an!

Jürgen Melmuka

jm@commitment.co.at

Wenn Sie Anmerkungen, Ergänzungen oder Fragen haben, so freue ich mich auf Ihre Kontaktaufnahme.

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Vertrieb und Technik

Die Kommunikation zwischen Technik/Produktion und Vertrieb/Innendienst ist oft von Unverständnis, Ärger und Fehlinterpretationen geprägt. Die Beteiligten kommunizieren schlecht und unwirksam, mangelndes oder falsches Zuhören ist eines der Ursachen für die Konflikte.

Das Beratungsprodukt “Vertrieb und Technik” wurde exakt für diese Problemstellung und entwickelt und setzt den Lösungshebel beim gegenseitigen Zuhören an. Wenn die Beteiligten sich intensiver und wirksamer Zuhören, ist der Austausch von Wertschätzung und Verständnis geprägt, ein gemeinsamer Weg somit möglich.

In nur 3 Schritten behandelt das Beratungsprojekt die Maßnahmen, die zu einer Minderung der Interpretationen und Fehlern führen.

  • Schritt 1: Evaluierung der Zuhörsituationen und Bewertung dieser
  • Schritt 2: Einsatz wirksamer Zuhörtechniken
  • Schritt 3: Review über Erfolg und Optimierungsbedarf

Am Ende des Projektes werden folgende Wirkungen eintreten:

  • Steigerung des gegenseitigen Verständnisses der handelnden Personen
  • Höhere Klarheit über Gedankenwelt der “anderen”
  • Bessere Beziehungsbildung durch aufgebrachtes Verständnis
  • Fehlinterpretationen und Missverständnisse fallen fast gänzlich weg
  • Gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung werden gestärkt

Wenn Sie diese Problemstellung in Ihrem Unternehmen erkennen, so zahlt sich ein Gespräch darüber sicher aus. Ich freue mich über Ihre Kontaktaufnahme

Einfach ein Mail an

jm@commitment.co.at

Alles Gute,

jürgen melmuka